Gustav Meyrinck war ein deutschsprachiger Schriftsteller, der vor allem für seine Romane bekannt war, die Okkultismus, Mystik und das Übernatürliche mit lebendigen Schilderungen Prags verbanden. Zu seinen gefeiertesten Werken zählen "Der Golem" (1914), eine unheimliche Erzählung über jüdische Folklore im Ghetto der Stadt, und "Walpurgisnacht" (1917), eine düster-fantastische Erkundung spiritueller Verwandlung. Diese Romane etablierten Meyrinck als Meister der phantastischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts, wobei Prag in weiten Teilen seines Werks sowohl als Schauplatz als auch als eigenständige Figur fungierte.
Als unehelicher Sohn eines Barons und einer Schauspielerin geboren, verbrachte Meyrinck seine prägenden Jahre in Deutschland, bevor er in die heutige Tschechische Republik übersiedelte, wo er zwei Jahrzehnte lebte. Sein literarischer Stil verwebte religiöse Symbolik, esoterische Traditionen und psychologische Tiefe, was seine lebenslange Yoga-Praxis und Faszination für das Okkulte widerspiegelte. Neben dem Schreiben arbeitete Meyrinck als Übersetzer und übertrug 15 Bände von Charles Dickens ins Deutsche, während er gleichzeitig eigene kreative Projekte verfolgte. Sein turbulentes Privatleben umfasste einen gescheiterten Suizidversuch im Alter von 24 Jahren und den tragischen Verlust seines Sohnes, der sich im selben Alter das Leben nahm. Meyrinck hatte auch rechtliche Probleme und verbüßte eine zweimonatige Gefängnisstrafe nach Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit einer von ihm gegründeten Bank.