Joseph Bédier war ein französischer Gelehrter und Autor, der für seine Beiträge zur mittelalterlichen französischen Literatur bekannt war. Geboren in Paris und aufgewachsen in Réunion, wurde er eine führende Autorität für altfranzösische Texte und belebte das Interesse an wegweisenden Werken wie "Le roman de Tristan et Iseut", "La chanson de Roland" und "Les fabliaux" neu. Seine wissenschaftlichen Ausgaben und Übersetzungen dieser Texte bleiben grundlegend für das Studium der mittelalterlichen Literatur. Bédiers Arbeit ging über die akademische Welt hinaus, da seine Adaption von "Tristan et Iseut" weit verbreitet übersetzt wurde, unter anderem ins Englische von Hilaire Belloc und Paul Rosenfeld.
Bédiers Karriere war geprägt von seiner Tätigkeit als Professor an der Université de Fribourg und später am Collège de France, wo er moderne Theorien zu Fabliaux und Chansons de geste prägte. Seine akribische Forschung und editorische Arbeit brachten ihm 1920 einen Platz in der Académie française ein. Zudem war er Mitherausgeber des einflussreichen zweibändigen Werks "Littérature française", einer umfassenden Geschichte der französischen Literatur. International anerkannt, wurde Bédier 1929 zum Foreign Honorary Member der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Er starb in Le Grand-Serre und hinterließ ein wissenschaftliches Erbe, das die Mediävistik bis heute prägt.